Ukraine-Krieg

Bei russischen Angriffen sind im Südosten der Ukraine laut Behördenangaben mindestens zwölf Menschen getötet worden.

Russland habe fünf Gleitbomben auf Wohnhäuser in Saporischschja abgeworfen, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj heute in sozialen Netzwerken.

Unter den Toten seien drei Minderjährige, 14 Menschen seien verletzt. Die Angriffe erfolgten, während in den USA neue Beratungen zwischen Vertretern der USA, Kiews und Europas über ein Ende des Ukraine-Krieges laufen. Insgesamt seien in der Nacht 13 ukrainische Regionen attackiert und Wohnhäuser, Infrastruktur und Eisenbahneinrichtungen beschädigt worden.

Rettungskräfte durchsuchen Gebäudetrümmer
Reuters

Die Ukraine nahm bei Gegenangriffen ihrerseits das südrussische Gebiet Rostow ins Visier. Auf der NASA-Website Firms, die weltweit Brandherde erfasst, waren mehrere Feuer dort zu sehen, wo sich ein Erdöl verarbeitendes Unternehmen befindet.

Der Gouverneur der Region, Juri Sljussar, schrieb auf Telegram von Bränden und Schäden an Wohnhäusern infolge ukrainischer Angriffe. Zudem sei eine Eisenbahnbrücke beschädigt worden. Sechs Menschen benötigten demzufolge ärztliche Hilfe.

Moskau: Über 500 Drohnen abgewehrt

In der Stadt Asow seien zwei Schiffe beschädigt worden. Mehr als 100 Drohnen seien über dem Gebiet Rostow abgewehrt worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau gab an, in der Nacht 560 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten und der annektierten Halbinsel Krim abgewehrt zu haben.

Witkoff: „Konstruktive“ Gespräche

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff bezeichnete unterdessen die Gespräche in den USA mit den ukrainischen Unterhändlern über eine Beendigung des Ukraine-Krieges als „konstruktiv“.

Bei dem Austausch in Miami im Bundesstaat Florida sei es unter anderem um „kurzfristige Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Winter“ in der Ukraine wie die Stärkung der Energieinfrastruktur und Getreideexporte gegangen, erklärte Witkoff im Onlinedienst X. Auch Sicherheitsgarantien und „langfristige Vorkehrungen für die Sicherheit der Ukraine und Europas“ seien Thema gewesen.

Inland

NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger hat bei der heutigen Mitgliederversammlung der Partei ihre Regierungsarbeit verteidigt und beworben.

Man habe beinahe alle Vorhaben in der Regierung durchgesetzt, sagte sie bei ihrer Rede im Design Center Linz. Dass man als kleinster Koalitionspartner von ÖVP und SPÖ nicht alles befürworte, machte sie anhand der Paketsteuer deutlich. Dieser „Murks“ gehöre noch einmal überdacht. Auch für eine EU-Armee sprach sie sich aus.

NEOS will Paketsteuer wieder abschaffen

Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, Chancenbonus für Schulen, Senkung der Lohnnebenkosten und Budgetsanierung („Ja, machen wir!“) – mit einer Liste von Errungenschaften sah Meinl-Reisinger den Platz ihrer Partei in der Regierung durchwegs gerechtfertigt und wichtig. NEOS stehe weder für blinden Optimismus noch für Pessimismus. Man sei „Possibilisten“, also „Möglichmacher“.

Dass sie nicht alles goutiere, was die Dreierkoalition ermöglichen will, machte sie anhand einer unpopulären Maßnahme deutlich: „Die Paketsteuer ist ein Murks, und auch das müssen wir ehrlich sagen.“

Bereits zuvor hatte die Außenministerin in Richtung Koalitionspartner gemeint: „Ich rege es an, dass wir da noch einmal in uns gehen.“ Auch auf anderen Ebenen habe man zu kämpfen. „Teilweise gehe ich mit einer Machete durch diesen Dschungel und schlage irgendwelche Pflanzen zur Seite“, so Meinl-Reisinger.

Appell für EU-Armee

Tempo machen will Meinl-Reisinger auch bei einer Pensionsreform, etwa durch die schrittweise Anhebung des Pensionsalters auf 67 Jahre. Aber auch in ihrer Funktion als Außenministerin, vor allem in der Sicherheitspolitik, denn „Neutralität schützt nicht“.

Angesichts der angespannten internationalen Lage sei eine EU-Armee unerlässlich. „Europa muss sich auf sich selbst verlassen können, sonst ist es verlassen“, warnte Meinl-Reisinger. Die FPÖ hingegen nehme unter dem Deckmantel der Neutralität Partei für den Kreml.

KI-generiertes Lied zu Auftritt

Rund 300 Mitglieder der kleinsten Regierungspartei waren zu der Versammlung ins Design Center Linz gekommen, an die 100 verfolgten laut Angaben der Partei den Livestream online. Die Bühne betreten hatte Meinl-Reisinger zu einem generierten Lied, für das sie sich auch höflich bedankte: „Danke auch für den KI-Song, er ist großartig!“

Eine Wahl des Vorsitzes stand bei der Versammlung nicht an. Der Parteivorsitz der NEOS wird statutenmäßig alle drei Jahre gewählt, und eine Wahl steht somit erst im kommenden Jahr wieder an. Meinl-Reisinger war zuletzt im Juli 2024 mit 91 Prozent als Parteichefin bestätigt worden.

Ausland

Der Kopilot der Flydubai-Maschine hatte nach Angaben der Ermittler in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Selbstmordanschlag auf den Flughafen von Tel Aviv in Israel geplant, hieß es gestern. Tags zuvor berichteten bereits einige Medien über das mutmaßliche Ziel und beriefen sich dabei auf Insider.

Der Mann aus Oman habe sich dabei die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA zum Vorbild genommen, sagte Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Schamsi. Sein Ziel sei gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten. Nach den Worten des Kopilots habe er alleine gehandelt. Diese Aussagen sollen nun überprüft werden.

Ermittlungen hätten ergeben, dass der Kopilot zwei frühere Flüge nach Tel Aviv genutzt habe, um sich mit der Flugroute und dem Flughafen vertraut zu machen, hieß es. Der Mann sei im Jänner 2026 zu Flydubai gewechselt habe zuvor unter anderem für Oman Air gearbeitet.

„Sicherheitsrelevante Anforderungen“ erfüllt

Laut Schamsi durchlief der Omaner vor Antritt seiner Tätigkeit alle Sicherheitsüberprüfungen. Er habe die „beruflichen und sicherheitsrelevanten Anforderungen“ erfüllt. Es habe keine „Hinweise auf seine extremistischen Ansichten oder seine Absicht gegeben, einen terroristischen Anschlag zu verüben“.

Der Kopilot einer Flydubai-Maschine hatte Ende September auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv den Kapitän der Maschine mit einer Rettungsaxt angegriffen.

Angesichts der Drohungen Chinas gegen Taiwan hat der taiwanische Präsident Lai Ching-te eine klare Haltung demokratischer Staaten gefordert.

„Das Recht der Bevölkerung Taiwans zu existieren, muss respektiert werden“, sagte Lai heute in einer Rede zum Nationalfeiertag. Es gehe nicht nur um das Überleben Taiwans, sondern auch darum, ob die internationale Gemeinschaft noch daran glaube, dass sich Gewalt nicht über Regeln hinwegsetzen dürfe, sagte Lai in Taipeh.

„Werden Freiheit nicht aufgeben“

Demokratien im Indopazifik müssten ihre Kräfte bündeln, um sicherzustellen, dass der Status quo von Frieden und Stabilität in der Region nicht verändert werde, fuhr der Chef der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) fort. „Taiwan schätzt Frieden, doch wir werden unsere Freiheit nicht aufgeben“, betonte er. Sein Land sei offen für Austausch, werde aber keine Unterordnung akzeptieren, sagte Lai.

China beansprucht das demokratisch regierte Taiwan für sich und will die Insel an sich binden. Für Peking gilt das Land als eine abtrünnige Provinz.

Regelmäßig lässt China Militärflugzeuge und Kriegsschiffe um Taiwan operieren. Mit Sorge blicken Beobachter auch auf jüngste Patrouillen der chinesischen Küstenwache östlich von Taiwan. Mit diesen „Grauzonen“-Aktivitäten übt China Druck aus, überschreitet jedoch nicht die Grenze zu einem offenen Konflikt.

Investitionen in Verteidigung

Wegen des drohenden Konflikts investiert Taiwan seit Jahren in seine Verteidigung und treibt derzeit unter anderem die Entwicklung von Drohnen voran. Die steigenden Verteidigungsinvestitionen hätten jedoch nicht zum Ziel zu provozieren, betonte Lai. Taiwans wichtigster Rüstungslieferant sind die USA, was Peking ein Dorn im Auge ist.

Taiwan, dessen Wirtschaftswachstum stark vom Boom in künstlicher Intelligenz und der Chipindustrie profitiert, will laut Lai seine Stärken bei Halbleitern und IT-Technologie zum Schutz des Landes nutzen

Nach jüngsten Daten stieg Taiwans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr um 14,15 Prozent. 2026 könnte das Land demzufolge ein BIP-Wachstum von elf Prozent erreichen – so hoch wie seit 39 Jahren nicht mehr.

Krieg in Nahost

Im Kampf gegen die proiranische Huthi-Miliz im Jemen hat die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition nach eigenen Angaben mehr als hundert militärische Ziele zerstört.

Die „umfassende Militäroperation“ richte sich „gegen Kämpfer und Ressourcen der terroristischen Huthi-Miliz“, erklärte ein Sprecher der Militärkoalition, Turki al-Maliki, heute im Onlinedienst X. Es seien 136 militärische Ziele in von der Huthi-Miliz kontrollierten Gebieten zerstört worden.

Der Huthi-Fernsehsender al-Masirah berichtete, saudi-arabische Raketen hätten Gebiete im nordwestlichen Bezirk Saada angegriffen. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition unterstützt die international anerkannte Regierung des Jemen im Kampf gegen die Huthis. Nach Beginn des Iran-Krieges vor sieben Monaten war auch der Konflikt im Jemen wieder eskaliert.

Huthis kontrollieren weite Teile des Jemen

Die Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Zuletzt übernahm sie nach einer Blitzoffensive die Kontrolle über große Teile der Küste an der strategisch und wirtschaftlich wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. Zudem griffen die Huthis verstärkt mit Drohnen und Raketen Verkehrsknotenpunkte, Ölanlagen und andere zivile Ziele in Saudi-Arabien an, dem größten Rohölexporteur der Welt.

EU

Die EU hat „ernsthafte Besorgnis“ hinsichtlich der demokratischen Standards in der Türkei geäußert. „Die jüngsten Entwicklungen, die die Medienfreiheit, die Rechte von LGBTQ-Personen und die lokale Demokratie betreffen, vergrößern die Kluft zu dem Ziel der Türkei, der EU beizutreten“, sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos gestern bei einem Besuch in der Stadt Edirne im Nordwesten des Landes.

Die Türkei hatte 1999 den Beitritt zur Europäischen Union beantragt. Die 2005 aufgenommenen Beitrittsverhandlungen liegen jedoch seit Jahren auf Eis. Österreich setzt sich seit Jahren für einen formellen Abbruch der Beitrittsgespräche ein.

Vor dem Hintergrund der geopolitischen Verschiebungen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist wieder ein größeres Interesse der EU-Staaten an engeren Beziehungen zu Ankara zu bemerken.

EU kündigt kritischen Jahresbericht an

Menschenrechtsgruppen haben der Türkei wiederholt vorgeworfen, die Menschenrechte zu beschneiden. Sie verweisen dabei auf den Druck auf unabhängige Medien, die Strafverfolgung von Journalisten und Oppositionspolitikerinnen sowie auf Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten.

Kos teilte mit, der jährliche Erweiterungsbericht der EU Ende Oktober werde „unsere ernsthafte Besorgnis in diesen Bereichen“ aufzeigen. „Und ich werde nicht davor zurückschrecken, diese Fakten öffentlich und klar zu benennen“, fügte sie hinzu.

Umwelt & Klima

Heftige Unwetter haben den Süden Italiens heute erneut getroffen. In Sizilien, großen Teilen Kalabriens sowie in Gebieten Kampaniens und Apuliens gilt die zweithöchste Warnstufe Orange. Starkregen führte zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Verkehrsbehinderungen. In Melito di Porto Salvo in Kalabrien wurden Straßen von Schlamm und Geröll bedeckt.

Bürgermeister: Fahrzeuge bis ins Meer gespült

Besonders schwer betroffen ist die Gemeinde Melito di Porto Salvo in Kalabrien. Der Ort sei stark betroffen, sagte Bürgermeister Tito Nastasi gegenüber Medien. In der Nacht habe eine regelrechte Sturzflut die Gemeinde getroffen. Fahrzeuge seien bis ins Meer gespült worden, zudem seien Mauern eingestürzt. Straßen seien teilweise nicht mehr passierbar.

Auch die Region Kampanien war von den Unwettern betroffen. Aus Neapel, Pozzuoli und Giugliano wurden Überschwemmungen, Erdrutsche, umgestürzte Bäume und Stromausfälle gemeldet. Auf der Insel Lipari vor Sizilien verursachte ein nächtliches Gewitter erhebliche Schäden.

Dutzende Wohnungen wurden dort überflutet, Autos blieben im Schlamm stecken. Am Hafen von Sottomonastero wurden Fahrzeuge im überfluteten Bereich eingeschlossen.

Zahlreiche Schäden gemeldet

Bereits gestern hatten Tornados den Westen Siziliens getroffen. Besonders belastet waren Marsala sowie die benachbarten Orte Petrosino und Mazara del Vallo. Fahrzeuge wurden umgeworfen, Gebäude beschädigt und ein Wohnhaus zerstört.

Zwei Menschen wurden schwer verletzt, nachdem sie während des Tornados mit ihrem Auto unterwegs gewesen waren. An einer Schule in Marsala wurden Fenster zerstört und Teile einer Decke beschädigt. Auch Strommasten stürzten um.

Sondermittel angekündigt

Der Leiter des sizilianischen Zivilschutzes, Salvatore Cocina, sprach von einem nahezu beispiellosen Ereignis für die Mittelmeer-Insel. Die Stärke des Wirbelsturms sei mit einem Tornado vergleichbar gewesen, wie man ihn aus den USA kenne.

Cocina verwies zudem auf den Zusammenhang zwischen der Klimakrise und der zunehmenden Bedeutung extremer Wetterereignisse. Siziliens Regionalpräsident Renato Schifani kündigte Sondermittel zur Bewältigung der Schäden an.

Der Hurrikan „Isaias“ ist im Nordwesten des US-Bundesstaates Florida auf Land getroffen und hat heftige Regenfälle und Stromausfälle mit sich gebracht.

Der Wirbelsturm sei gestern (Ortszeit) nahe der Küstenstadt Destin auf Land getroffen, erklärte das Nationale Hurrikanzentrum (NHC). Es handle sich um einen „lebensbedrohlichen Sturm“, der auch weiter im Landesinnern Sturzfluten verursachen könne. Für mehrere Küstenorte galten Evaukierungsanordnungen.

Wind peitscht über Kreuzung in Pensacola, Florida
APA/AFP/Getty Images/Joe Raedle

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h erreichte „Isaias“ laut NHC die zweite Stufe der fünfstufigen Saffir-Simpson-Hurrikanskala. Außer Florida riefen auch Alabama und mehrere andere US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko den Notstand aus.

Über 500.000 Haushalte ohne Strom

In Pensacola deckte der heftige Wind Dächer ab und riss Äste von Bäumen ab, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP von dort berichtete. Der Strom fiel aus.

Zwei Flughäfen im Nordwesten Floridas setzten ihren Betrieb aus. Laut der Website Poweroutage.us waren wegen des Hurrikans mehr als 300.000 Haushalte in Florida und mehr als 200.000 Haushalte in Alabama ohne Strom. Wegen „Isaias“ wurde auch die Öl- und Gasförderung im Golf von Mexiko größtenteils unterbrochen.

Das NHC prognostizierte, dass die gesamte Küste des Golfs von Mexiko von der Mündung des Mississippi in Louisiana bis zum Fluss Suwannee in Florida von dem Wirbelsturm betroffen sein werde. US-Präsident Donald Trump sagte wegen des Hurrikans den Besuch eines Footballspiels in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama ab.

Hurrikansaison besonders spät

„Isaias“ ist der erste Hurrikan der diesjährigen Saison im Atlantik, die wegen des Klimaphänomens „El Nino“ außergewöhnlich spät beginnt. Im Pazifik gab es schon mehrere Hurrikans, darunter „Polo“, der Ende September als Hurrikan der höchsten Kategorie fünf die Küste Mexikos traf.

Wirtschaft

Der Flughafen Wien-Schwechat hat heuer im ersten Halbjahr einen Rückgang der Passagierzahlen um 3,2 Prozent auf 14,3 Millionen Personen verzeichnet. Günther Ofner, Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG, verwies gestern in der ZIB2 auf hohe Standortkosten, die den Standort belasten.

Billigairlines wie Wizz Air kehren daher dem Flughafen den Rücken oder ziehen wie Ryanair Flugzeuge vom Wiener Standort ab und wechseln nach Bratislava mit deutlich niedrigeren Kosten.

Ofner: Ticketsteuer „Schuss ins eigene Knie“

Flughafen-Vorstandsdirektor Günther Ofner sieht hohe Abgaben als Wettbewerbsnachteil für den Flughafen Wien. Eine Senkung der Ticketsteuer könne Verkehr und Beschäftigung zurückbringen, sagt der Vorstandsdirektor. Auch die Ausgestaltung des „Green Deals“ sieht er kritisch, weil sie Europas Airlines zusätzlich belaste.

Ofner: Verdrängung Richtung Bratislava

Die Kosten im 55 Kilometer von Wien entfernten Bratislava seien um ein Drittel niedriger, wie Ofner betonte. Vor allem die Ticketabgabe von zwölf Euro bzw. von 30 Euro für Kurzstrecken bis 350 Kilometer kritisierte der Flughafenvorstand.

Mehrere Länder hätten diese Abgabe wieder abgeschafft, nur mehr acht Staaten in der EU heben diese Gebühr ein. Die Steuer habe keinen Lenkungseffekt, es komme nur zu einer Verdrängung in Richtung Bratislava, merkte Ofner an.

Umwegrentabilität durch niedrigere Abgaben

Während die Flughafengebühren seit 2019 um 22 Prozent und damit weniger als im europäischen Schnitt (27 Prozent) gestiegen sind, schnellten die staatlichen Kosten für Flugsicherung und Ticketsteuer um 85 Prozent in die Höhe, fast doppelt so viel wie in anderen europäischen Ländern.

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Infrastrukturministeriums, auf die sich Ofner bezog. Eine Abschaffung oder zumindest deutliche Senkung der Abgabe könnte sogar zu höheren Steuereinnahmen führen, so Ofner. Denn Passagiere und Passagierinnen geben in Österreich Geld aus und übernachten, verwies er auf die Umwegrentabilität.

Chronik

Nach zwei Messerattacken in Schulen hat die Polizei in Polen 76 Personen festgenommen. Landesweit seien rund 50.000 Schulen kontrolliert worden, teilte die Polizei heute auf der Plattform X mit.

„Es wurden 231 Vorfälle registriert, bei denen Polizeibeamte Aktionen im Zusammenhang mit dem begründeten Verdacht auf eine Straftat ausgeführt haben.“ Es gab zunächst keine Informationen, um wen es sich bei den Festgenommenen handelt.

Hausmeisterin getötet

Am Donnerstag war beim Messerangriff eines 15-Jährigen in einer Schule in Leszczydol-Nowiny etwa 70 Kilometer nordöstlich von Warschau die 37-jährige Hausmeisterin getötet worden, zwei weitere Menschen wurden verletzt. Am Mittwoch hatte ein 19-Jähriger an einer Berufsschule in Ostroleka knapp 100 Kilometer nördlich von Warschau neun Menschen mit einem Messer verletzt, davon zwei schwer.

Regierungschef Donald Tusk hatte am Donnerstag regelmäßige Polizeikontrollen in allen Schulen des Landes angeordnet. Tusk sagte, der 15-jährige Angreifer habe einen Helm mit Kamera getragen, um seine Tat zu filmen.

Ein Erdbeben der Stärke 7,7 hat in Panama schwere Schäden verursacht. Staatschef Jose Raul Mulino sprach gestern (Ortszeit) von einer „großen Katastrophe“, durch die ganze Straßenzüge eingestürzt seien. Opfer wurden zunächst nicht gemeldet.

Das Beben hatte sich in geringer Tiefe in der zentralen Provinz Herrera ereignet und auch die Menschen in der rund 200 Kilometer entfernten Hauptstadt Panama-Stadt in Panik versetzt.

„Die Katastrophe, mit der wir uns konfrontiert sehen, ist groß“, sagte Präsident Mulino vor Journalisten. Nach dem Beben der Stärke 7,7 gebe es Straßen, die „komplett eingestürzt“ seien. Der Staatschef reiste nach Penonome in der zentralen Provinz Cocle, um den Katastropheneinsatz zu koordinieren. Im Onlinedienst X rief Mulino die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. „Was passiert ist, sollte nicht genutzt werden, um Alarm und Chaos auszulösen“, schrieb er.

Eingestürztes Gebäude in Penonome, Panama
APA/AFP/Martin Bernetti

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) hatte sich das Beben um 12.56 Uhr Ortszeit (19.56 Uhr MESZ) zehn Kilometer von der Kleinstadt Pitaloza Arriba entfernt ereignet. Diese liegt in der Provinz Herrera im südlichen Zentrum des Landes.

Zahlreiche Nachbeben

Laut Panamas geologischem Institut folgten mehr als ein Dutzend Nachbeben, davon eines mit einer Stärke über 6,0. Für den östlichen Pazifik wurde zunächst eine Tsunami-Warnung ausgegeben, sie wurde später aber wieder aufgehoben.

Auch in Panama-Stadt waren die Erschütterungen deutlich zu spüren. In Onlinenetzwerken zirkulierte ein Video, das zeigt, wie von einem Pool auf dem Dach eines mehr als 20 Stockwerke hohen Hochhauses Wasser schwappte. In einem anderen Video war zu sehen, wie eine Brücke über dem Panama-Kanal heftig wackelte, während Fahrzeuge darüber fuhren.

IT

Künstliche Intelligenz (KI) der Entwicklerfirma Anthropic hat in einem Testlauf einen falschen Hinweis auf einer Polizeiwebsite zur Aufklärung ungelöster Mordfälle eingereicht.

In einem weiteren Zwischenfall füllte die KI-Software Formulare auf einer US-Regierungsseite – wohl 20 Visaanträge – aus, wie Anthropic in einem Blog bekanntgab. In den vergangenen Wochen wurden bereits verschiedene Vorfälle vor allem von KI des ChatGPT-Entwicklers und Anthropic-Rivalen OpenAI bekannt.

Die Unternehmen trainieren aktuell KI-Agenten – also Software, die im Auftrag der Nutzer weitgehend autonom verschiedene Aufträge erfüllen soll. Die von Anthropic aufgelisteten Vorfälle gehen direkt auf Versuche zurück, die KI für alle möglichen Onlineaufgaben vorzubereiten.

Einreichung als Spam markiert

Den Fake-Hinweis zu einem ungeklärten Mord reichte Anthropics KI über eine Website der Polizei von Philadelphia ein. „Ich könnte Informationen zu diesem Fall haben“, schrieb die Software demzufolge.

„Ich erinnere mich, jemanden, der der Beschreibung entspricht, in der Gegend zur Tatzeit gesehen zu haben“, hieß es weiter. Die Website der Polizei enthielt allerdings gar keine Täterbeschreibung. Die Software ließ außerdem das Kontaktfeld offen, und ihre Einreichung wurde als Spam markiert.

Polizei: „inakzeptabel“

Die Polizei von Philadelphia kritisierte als „inakzeptabel“, dass sie erst jetzt von dem Vorfall Mitte Juli erfuhr. Anthropic zufolge wurde das Handeln der KI Ende September bei einer vertieften Überprüfung von Testläufen nach anderen Zwischenfällen entdeckt.

Die Software habe den Auftrag gehabt, Aufgaben auf zufällig ausgesuchten Websites auszuführen. Ihr sei zwar untersagt gewesen, etwa Accounts anzulegen oder Dinge zu kaufen, aber das Ausfüllen von Formularen habe man nicht verboten.